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Müßiggang muss sein – wirklich, es muss!

Müßiggang

 

Der Müßiggang hat es nicht leicht in unserer schnellen Zeit. Von allen Seiten wird er bedroht. Er gilt als alt und ewig gestrig und passt so gar nicht zum Lifestyle von heute. Heute wo Multitasking, Karriere und Kind oder einfach nur Karriere gefragt sind. Wo alle in Bewegung sind und sind sie nicht in Bewegung, dann haben sie so zu tun als wären sie es. Die Zeit hat es gebracht, dass für dieses noble und antike Nichtstun namens Müßiggang keine Zeit mehr ist. Doch das ist schade, denn er hat so viele gute Eigenschaften und kann uns so viel Gutes tun.

Warum Müßiggang?

Als Müßiggang wird das produktive Nichtstun bezeichnet. Nicht nur das absolute Nichtstun gilt als Müßiggang, nein auch leichte vergnügliche Tätigkeiten wie das Flanieren gelten als solche. Die Hauptsache dabei ist, dass es zeit- und ziellos geschieht. Und der Sinn des Müßiggangs liegt nicht in der Erholung von Stresssituationen, nein der Müßiggang hat kein Ziel.

Aber Vorsicht - bei regelmäßiger Anwendung kann Entspannung eintreten! Denn angesichts der ständigen Reizüberflutung, der wir ausgesetzt sind, können ein paar Minuten Nichtstun durchaus zu diesem Effekt führen.

Wenn Du also etwas gelassener und entspannter durch den Tag flanieren möchtest, dann ist der Müßiggang Dein bester Freund. Außerdem sagt man ihm auch nach, dass wir durch ihn kreativer werden und dass wir uns durch den Müßiggang besser selbst kennenlernen.  So schlecht kann der Müßiggang also nicht sein. Doch warum hat er einen so schlechten Ruf und warum möchte niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben?

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Die Feinde des Müßiggangs

Müßiggang | Gras LiegenDer Müßiggang hat viele Feinde. Zu allererst er selbst. Denn sein Name - so sagt man - sei negativ konnotiert. Beladen mit diesem schlechten Image kommt er nicht so recht vorwärts. Er sei nur etwas für Faulenzer und Drückeberger. Und diese haben in der Zeit der Effizienz und Produktivität nicht viel Platz.

Ganz anders verhielt es sich in der Antike. Da war der Müßiggang hoch angesehen. Meist nur für den Adel vorgesehen, wurde dieser mit Bildung und den hohen Künsten in Verbindung gebracht.

Doch der Feind des Müßiggangs lauerte überall. Beginnend in der christlichen Theologie, wo dieser mit Faulheit und Trägheit gleichgesetzt wurde und diese Eigenschaften zu den 7 Todsünden gezählt wurden. Schon dadurch konnte sich der Müßiggang nicht so recht durchsetzen.

Auch in Zeiten der Industrialisierung wurde der Müßiggang fast verfolgt. Jede Pause wurde strikt untersagt, denn die Werke mussten am Laufen gehalten werden. Ohne Fleiß kein Preis.

Und wie sieht es heute damit aus? Auch nicht viel besser. Auch wenn sich die Menschheit etwas aus den Krallen der klassischen industriellen Produktion befreien konnte, hat sie sich in eine noch größere Falle Namens Kapitalismus begeben. Ab jetzt heißt es Multitasking und Karriere. Größere Häuser und schnellere Autos müssen her. Ganz zu schweigen von den immer mehr werdenden Aufgaben in einer modernen Familie. Für Müßiggang ist heute noch weniger Zeit.

Diese lange Geschichte der Verfolgung der Müßiggänger hat seine Wirkung nicht verfehlt. Denn vielen Menschen ist es auch heute unmöglich, eine Zeit lang nichts zu tun ohne dabei von einem schlechten Gewissen geplagt zu werden. Sobald sich eine Minute der Ruhe auftut, wird sofort nach einer Ablenkung gesucht. Egal ob mit dem Smartphone, dem Fernseher oder sonstigen Entertainment Geräten. Ein paar ruhige Minuten können viele Menschen nur schwer ertragen. Es soll sogar Menschen geben, die sich selbst lieber einen Elektroschock versetzen als sich 15 Minuten mit Nichtstun zu beschäftigen. Und dies obwohl dieser zarte Hauch von Nichts so gut tut.

Zurück zum Nichts

Wie schaffen wir in unserer sich immer schneller drehenden Zeit Platz zu finden für das Dolce-far-niente und zwar ohne schlechtes Gewissen?

Früher in der guten alten Zeit war Fleiß eine Tugend. Sie wurde hoch gehalten, während die Faulheit als Todsünde galt. Und da Müßiggang gleichgesetzt wird mit Faulheit überkommt uns das gesellschaftliche schlechte Gewissen.

Doch weniger zu arbeiten ist nicht faul sondern weise. Wer es schafft mit wenig Aufwand zu einem guten und schönen Leben zu gelangen, der hat es doch geschafft. Warum muss dahinter immer Blut, Schweiß und Tränen stecken? Eben, es geht auch anders. Und eine Portion Nichtstun am Tag kann uns zu mehr Weisheit verhelfen.

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Damit uns die gesellschaftliche Prägung und die Arbeit nicht erdrücken, kann ich jedem eine gesunde Portion Nichtstun nur empfehlen. Dies lässt die Gedanken schweifen, neue Ansichten und Ideen können entstehen. Durch die Phase der Erholung werden unsere Batterien wieder aufgeladen und der Stimmungsbarometer klettert nach oben. Denn das Hirn kann sich von den zig tausenden Impulsen, die wir durch Medien, Smartphone und Co empfangen, erholen. Ich selbst bin ein überzeugter Müßiggänger, der sich nur zu gerne seine tägliche Portion Nichtstun gönnt und zwar wirklich jeden Tag. Und ich bin dadurch nicht nur gelassener geworden, nein meine gesamte Lebenssituation hat sich dadurch verbessert. Denn ich fand in den kleinen Pausen des Alltags immer wieder helle Momente, die mich auf neue Ideen gebracht haben und so meinem Leben eine neue positive Richtung gegeben haben. Das Einzige, was es dazu brauchte, war die bewusste Entscheidung mir jeden Tag eine Portion Müßiggang zu nehmen.

Zeit fürs Nichtstun findenMüßiggang | Urlaub

Ich höre sie schon, die stressgeplagten Stimmen, die meinen für Nichts sei einfach keine Zeit. Ich kann sie verstehen - gerade wenn man Familie hat, steigen die Aufgaben und somit der Stress ins
Unermessliche. Doch genau dann ist es umso wichtiger, sich Müßiggang zu verschaffen. Denn dies ist meist der erste Schritt sich vom Stress etwas zu fangen und etwas mehr Klarheit in den Alltag zu bekommen. Zeit dafür ist genug, ein kleiner Blick auf den Alltag genügt. Auch als ich noch Projektleiter in einem Unternehmen war, habe ich mir die Zeit genommen und Möglichkeiten gefunden.  Zur besseren Übersicht fasse ich kurz ein paar Varianten des aktiven Nichtstuns zusammen.

Im Bett liegen bleiben: Wer sagt denn, dass man immer sofort aufstehen muss. Es gibt doch nichts Schöneres als noch ein paar Minuten an die Decke zu starren und seine Gedanken beim Wachwerden zu beobachten.

Müßiggang Anleitung

Müßiggang Anleitung

Ohne Zeitung das Wetter beobachten: Für viele Menschen hat sich das morgendliche Zeitunglesen zum Ritual entwickelt. Auch wenn diese Routine eine, scheinbar Sicherheit verleiht, so versorgt sie doch unser Hirn mit einer kräftigen Portion negativer Energie. Wie wäre es stattdessen einmal in aller Ruhe die Wolken und das Wetter zu beobachten. Da erfährst du wahrscheinlich eher wie das Wetter wirklich wird.

Geduldig in der Schlange stehen: Puh, das ist die Königsdisziplin des Müßiggangs. Vorsicht nur für Könner. Denn die meisten Menschen sind nur genervt wenn sie beim Bäcker oder im Supermarkt in der Schlange stehen müssen. Deshalb zücken sie schnell das Smartphone und versuchen sich abzulenken. Doch betrachte die Schlange einmal von der anderen Seite. Heiße sie willkommen als kleine Pause für zwischendurch - nicht als verlorene Zeit sondern als gewonnene Pause.

Der Narrenkastlquickie: Kennst Du den Begriff Narrenkastl schauen. Kleine Kinder sind Meister darin. Wenn sie völlig gebannt ins scheinbare Nichts blicken. Gerade für Menschen, die viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, wirkt diese Methode Wunder. Einfach seinen Blick ins Nichts oder aus dem Fenster richten und nichts machen. Deine Augen werden es Dir danken.

Der Flaniergang: Flanieren bedeutet sich zeit- und ziellos durch die Gegend zu bewegen. Jetzt besteht aber bei vielen das Problem, dass eine Mittagspause endend wollend ist. Deshalb empfehle ich den Flaniergang. Nimm Dir eine gewisse Zeit und spaziere ziellos in der Gegend herum.

Die Nichtstun Meditation: Die Meditation ist in aller Munde. Sie ist in und liegt voll im Trend. Viele Menschen finden darin große Erleichterung, um mit dem Stress des Alltags besser umzugehen. Im Prinzip ist auch Nichtstun nichts anderes als Meditation. Mache daraus eine tägliche Zeremonie, so kannst Du nicht auf das so wichtige Nichts vergessen.

Und was meinst Du? Bist Du bereit für eine große Portion Müßiggang?

Genieße den Weg der Lebenskunst

Liebe Grüße

Karl

Fotos: https://stocksnap.io/

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Über Karl

Hi, ich bin Karl. Autor, Resilienz-Trainer und großer Freund der Veränderung. Denn Leben heißt Veränderung und Veränderung macht glücklich. Doch bis es soweit ist, braucht es meist etwas Überwindung. Genau darum geht es hier. Seine Widerstände zu überwinden, um zu einem selbstbestimmten und gelassenen Leben zu gelangen. Wenn du dein Leben in die Hand nehmen möchtest, um selbst KapitänIn deines Lebens zu werden, dann bist du hier genau richtig. Hier findest du den nötigen Impuls, um deinen Prozess der Veränderung zu starten. Lass dich inspirieren und mach mit! Denn das Leben ist viel zu kostbar, um es gelangweilt vor dem Fernseher zu verbringen. Ich wünsche dir viel Spaß beim Mitmachen!

14 Kommentare

  1. […] Mit seinem wunderbar britischen Humor versteht er es, seine Leser mitzunehmen auf eine Reise des Müßiggangs. Abseits von Hektik, Alltag und ständiger Selbstoptimierung taucht man ein in eine Art […]

    • Veröffentlich von Steffen Becher am 13. August 2019 um 18:10

      Toller Artikel!

      Ich glaube auch, dass wir einfach öfters mal zur Ruhe kommen sollten. Es macht doch echt keinen Sinn, wie ein blöder zu arbeiten, wenn die Ergebnisse dadurch auch noch schlechter sind.

      Du hast mir mit diesen Zeilen sehr wertvolle Informationen hinterlasse und dafür möchte ich mich bei dir bedanken.

      Liebe Grüße
      Steffen

      • Veröffentlich von Karl am 14. August 2019 um 16:45

        Hallo Steffen,
        herzlichen Dank für deine Gedanken. Ja im Satz – In der Ruhe liegt die Kraft – liegt viel Weisheit.
        Liebe Grüße
        Karl

  2. Veröffentlich von Die Angst vor VERÄNDERUNG überwinden – der entscheide Faktor am 22. Mai 2019 um 12:49

    […] Die Entscheidung der Rückreise war wohl die größte Entscheidung, die es zu treffen galt. Sie war wesentlich größer als bei der Abreise und fiel uns sehr schwer. Denn irgendwo in unseren Hinterköpfen spukte der Gedanke der Niederlage – wir waren gescheitert. Dieser Gedanke machte uns die Rückreise auch so schwer. Dennoch haben wir uns aktiv für das Scheitern entschieden. Denn allen Überlegungen zum Trotz wollten wir aus der Situation das Beste machen. Besser mit Haltung verlieren, als nichts zu tun und in Melancholie zu versinken. Zu groß war der Wunsch nach der Rückreise. Zu sehr fehlten uns die Familie, Freunde und das soziale Umfeld. Direkt nach der Rückkehr war viel zu tun und wenig Zeit für Müßiggang. […]

  3. Veröffentlich von Wladimir Wagila am 23. Januar 2018 um 8:12

    Wenn ich mir viel vorgenommen habe, unterteile ich den Tag in zwei Phasen:
    1. Rumgammeln.
    2. Jetzt bringt’s auch nichts mehr.

    • Veröffentlich von Karl am 7. August 2019 um 15:26

      Ja klingt auch gut.

  4. Veröffentlich von Mahsa am 26. Oktober 2016 um 7:25

    tolle Webseite :]

    • Veröffentlich von Lebenskünstler am 4. November 2016 um 22:09

      herzlichen Dank! Viel Spaß beim Schmökern. Lg Karl

  5. […] lasse meinen Tag um sieben Uhr beginnen. Wie ich es als Student der Lebenskunst und Schüler des Müßiggangs gelernt habe, starte ich mit einer Portion Nichtstun im Bett. Danach ein gemütliches Frühstück, […]

  6. Veröffentlich von Flanieren im Sitzen in Bangkok – wie vif ist das? • Lebenskünstler am 8. Oktober 2016 um 20:37

    […] ich in meinem Beitrag Müßiggang am Nachmittag beschrieben habe, flaniere ich für mein Leben gern. Auch dem Flanieren im Straßencafé kann ich […]

  7. […] Vergnügungen des Lebens die Zeit, die es braucht. Oder ich nehme mir eine kleine Auszeit für das Nichtstun und lasse gelassen die Zeit verstreichen. Tic Tac, Tic Tac, nichts ist verplant, nichts steht […]

  8. […] Niemand stellt an einen Kranken Anforderungen. Nütze die Zeit zur vollen Rekonvaleszenz, zum Müßiggang und sogar für etwas Genuss – denn Dein Körper hat gerade einen Marathonlauf absolviert, Du […]

  9. […] Und – wann hattest Du das letzte Mal Zeit für Nichts. Deshalb gönne Dir eine bewusste Portion Nichts, ähnlich der Meditation. Aber Vorsicht, stelle keine zu großen Erwartungen daran, denn das Nichts […]

  10. Veröffentlich von Müßiggang das Manifest am 8. Oktober 2016 um 20:29

    […] Tea Time (kann aber auch Kaffee sein). Der Nachmittag bricht herein, alle sind voll im Stress. Doch wer seinem Nachmittag etwas mehr Gelassenheit verleihen möchte, der mache es wie die Engländer: tea-time! Ok, für alle die dem Tee nix abgewinnen können, der halte sein Plauscherl halt mit Kaffee – auch das fühlt sich ganz gut an. Die Hauptsache ist, bewusst mit Genuss trinken, nur so kommt man in den Müßiggang. […]

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